Verfasst von: amvariondd | 8. Februar 2011

„Anatevka“ von Joseph Stein – Ein Mitglied der AMV Arion Dresden steht bei Aufführung der Dresdner Bürgerbühne auf den berühmten Brettern des Dresdner Schauspielhauses

Nächste Aufführung am 13.2.2011 um 19:00 Uhr im Staatsschauspiel, Theaterstr. 2, 01067 Dresden (Haltestelle Postplatz)

Die Dresdner Bürgerbühne ist eine junge Institution, die es begabten Schauspiel-Laien ermöglicht unter professionellen Bedingungen Theater auf Dresdens öffentlichen Bühnen zu spielen.

Eine große Zahl an Aufführungen (Spielplan) sorgt inzwischen maßgeblich für volle Häuser. Ein besonderer Dauerbrenner ist „Anatevka“, das bekannte Musical aus dem Jahr 1964, geschrieben von Joseph Stein, getextet von Sheldon Harnick und vertont von Jerry Bock nach einer Vorlage des Romans „Tewje, der Milchmann“ von Scholem Alejchem.

„Anatevka“ ist ein ukrainisches Schtetl in der vorrevolutionären Zeit um 1905. Die Menschen leben von und mit ihrer Tradition. Was das ist, und wie sie erst bedroht wird und sich dann von außen wandelt, ist Gegenstand der Handlung.

Tewje, der Milchmann, hat fünf Töchter, die langsam ins heiratsfähige Alter kommen. Tewe ist arm, aber fleißig und stolz darauf immer etwas zu essen auf dem Tisch zu haben. Getrieben von dem Wunsch seine Töchter mögen ein weniger armes Leben führen, wendet sich Tewje auf Druck seiner Frau Golde an die ortansässige Heiratsvermittlerin Jente um einen vielversprechenden Ehemann für seine älteste Tochter Zeitel zu gewinnen. Gleichzeitig wirbt der verwitwete und unattraktive, aber gut situierte Fleischer Lazar Wolf bei Tewje um Zeitel und erhält von ihm das Wort Zeitel heiraten zu dürfen.

Zeitel, mit ihrem Jugendfreund, dem armen Schneider Mottel, seit einem Jahr heimlich verlobt, fleht ihren Vater an ihr die vermittelte Ehe zu ersparen. Zu feige um seine Frau umzustimmen, ersinnt er einen abstrusen nächtlichen Traum, in dem Goldes Großmutter erschienen sei und Zeitel ihrem Jugendfreund Mottel versprochen habe. Er bricht sein Lazar Wolf gegebenes Wort und erlaubt Mottel Zeitel zu heiraten. Auf der Hochzeit kommt nicht nur zum Eklat, als Lazar Wolf Tewje öffentlich des Wortbruchs zeiht, sondern auch zu antisemitischen Ausschreitungen russischer Soldaten, die erst durch massives Eingreifen des ortansässigen Wachtmeisters beendet werden können.

Gleichzeitig findet ein junger, progressiv und revolutionär denkender Student namens Perchik als Lehrer den Weg in Tewjes Haus und verliebt sich in die intelligente und selbstbewusste zweite Tochter Tewjes, Hodel. Tewje fühlt sich erneut übergangen, kann jedoch dem jugendlichen Drang der jungen Leute nicht widerstehen. Als jedoch ein junger russischer und nicht-jüdischer Soldat Tewjes dritter Tochter, Chava, den Kopf verdreht und sie nun ebenfalls heiraten will, ist es für Tewje zu viel. Er verstößt Chava, die mit ihrem jungen Geliebten davonläuft, und verzeiht ihr erst nach langer Grübelei und vor der Bedrohung der äußeren antisemitischen Vertreibung, mit der das Stück endet.

Das locker-flockige und in der Grundstimmung hintergründig-heitere Stück wird von einem hochengagierten Laienensemble der der Dresdner Bürgerbühne und einem Ensemble von Dresdner Profimusikern aufgeführt, wobei Schauspieler im Alter von 9 bis 85 Jahren beteiligt sind. Nicht nur die schon aufgrund der Textmenge anspruchsvollen Hauptrollen der Eltern Tewje und Golda, sondern auch die Darstellungen Töchter und deren Umwerber sind mit ihren Liednummern überzeugend ausgefüllt. Insbesondere gefiel dem Rezensenten die Selbstverständlichkeit und die große Natürlichkeit des Auftretens der Darstellerinnen und Darsteller, die sich die Rollen aus heutiger Perspektive zu eigen machen.

Unser Bundesbruder Benjamin Pelikan spielt die Rolle des Wachtmeisters, der im Widerspruch zwischen wohlwollender Teilnahme für die Bewohner des Schtetl und dem Zwang, die antijüdischen Maßnahmen des russischen Fürsten umsetzen zu müssen, gefangen ist. Trotz seiner Symphathie für die kleine Welt „Anatevka“ ist er am Ende gezwungen die Bewohner zum Zweck behördlicher Abrissmaßnahmen zu vertreiben.

Gerade manche der jungen Schauspieler lassen die Grenze zwischen Laien und Profis verwischen, und so erhält die Aufführung eine andere Art von Spannung: Man kennt jemanden derer, die dort von der großen Bühne herunter spielen und erhält dadurch einen persönlicheren Zugang zum Stück.

Anatevka läuft in der Besetzung mit Benjamin Pelikan als Wachtmeister noch bis Ende Februar monatlich im Dresdner Schauspielhaus.

(c) T. Niemeier 2010


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